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Das Helarium

Der Wellness-Trend ist ungebrochen: Immer mehr Menschen zieht es regelmäßig oder für einen Kurzurlaub in einen Wellnesstempel oder hin zu Freizeitanlagen mit Saunalandschaften. Besonders in der dunklen Jahreszeit üben Saunaanlagen einen besonderen Reiz aus, bieten sie doch die Möglichkeit, sich einmal richtig aufzuwärmen und gleichzeitig etwas für die Gesundheit zu tun. Für das Gros der Besucher steht jedoch der Erholungs- und Regenerationsfaktor im Mittelpunkt, der Wunsch, einmal durchzuatmen und zur Ruhe zu kommen. Der Markt ist umkämpft und die Betreiber von Thermen, Spas und Saunaanlagen bestrebt, mit immer neuen Angeboten und Attraktionen für eine zunehmend anspruchsvollere Klientel interessant zu bleiben.

Seit ein paar Jahren wird neben der gängigen finnischen Sauna oder der beliebten Dampfsauna auch eine Variante angeboten, die auf den ersten Blick einer gewöhnlichen Sauna gleicht. Doch der Eindruck täuscht – denn in einem sogenannten Helarium wird dem Schwitzwilligen nicht nur ordentlich eingeheizt, sondern er kann sich auch von buntem Licht und mitunter musikalischer Untermalung verwöhnen lassen.

Was ist ein Helarium?

Unter einem Helarium versteht man gemeinhin eine Farblichtsauna. Es ist also eine Schwitzstube, die mit dem Prinzip der Farblichtsimulation arbeitet. Da der Begriff Helarium aber nicht geschützt ist, können sich hinter dem Namen unterschiedliche Konzepte oder gar andere Produkte verbergen. Interessanterweise gibt es ein Antidepressivum namens Helarium forte, das den Wirkstoff Johanniskraut enthält. Interessant deshalb, weil auch den Lichteffekten eine therapeutische Wirkung zugesprochen wird.

In einer gemäßigt temperierten Saune zwischen 50 und 60 Grad werden neben dem farbigen Licht auch häufig meditative Musik oder Geräusche eingesetzt, um die Gemütslage der Besucher positiv zu beeinflussen. Die Klangkulisse besteht zuweilen auch nur aus Vogelgezwitscher oder Meeresrauschen, wie man es auch von den Entspannungsphasen beim Yogaunterricht oder Schönheitsbehandlungen her kennt. Diese Art der Sauna eignet sich besonders für Menschen, denen eine finnische Sauna mit ihren 70-100 Grad zu heiß, und die hohe Luftfeuchtigkeit der ebenfalls moderat temperierten Dampfsauna (40-50 Grad) unangenehm ist. Ein Helarium ist meist großzügiger angelegt als eine herkömmliche Sauna und auch auf Aufgüsse wird hier verzichtet.

Die Ursprünge der Farblichttherapie

Man weiß seit langer Zeit, dass Farben stresslösend und beruhigend wirken und einen Einfluss auf des allgemeine Wohlbefinden und körperliche Abläufe haben können. Die sogenannte Farblichttherapie geht zurück auf die Farbenlehre von Johann Wolfgang von Goethe. Seine Erkenntnisse wurden in der Folgezeit von Physikern, Psychologen und Malern aufgegriffen und ausgebaut; Goethes Abhandlung über physiologische Farben und deren Wirkung auf den jeweiligen Betrachter gilt als Geburtsstunde der modernen Farbpsychologie, und die darauf basierende Farblichttherapie findet heutzutage Anwendung in der Alternativmedizin.

Das Helarium

Das Helarium ©iStockphoto/AhuSavanAn

Dabei werden Patienten mit farbigem Licht bestrahlt, um psychische und physische Probleme zu behandeln. So wird gelbes und orangefarbenes Licht bei der Behandlung von Depressionen eingesetzt und blauem Licht eine Anregung der Selbstheilungskräfte und Linderung von Schmerzen zugeschrieben. Und fast jeder, der zum Beispiel erkältungsbedingte Probleme mit den Nebenhöhlen kennt, hat schon einmal versucht, einer Entzündung mittels Infrarotlicht-Therapie den Garaus zu machen.

Unbestritten ist auch, dass regelmäßige Saunabesuche, sofern keine gesundheitlichen Einschränkungen wie etwa unbehandelter Bluthochdruck oder akute, fiebrige Erkrankungen vorliegen, die körpereigene Abwehr und den Kreislauf positiv unterstützen. Durch den Wechsel von schweißtreibender Hitze und eiskaltem Wasser werden Haut und Körper belebt und stark durchblutet, was zu den bereits genannten Effekten führt. Ein Saunabad kann dem Körper sogar dabei helfen, krankhafte Zustände aus eigener Kraft zu überwinden.

Doppelt hält besser?

Daher könnte man nun schlussfolgern, die Kombination von Sauna und Farblichttherapie könne für die körperliche und seelische Gesundheit nur gewinnbringend sein. Gerade das wurde aber bislang zumindest wissenschaftlich nicht belegt. Gesundheitsexperten sind der Auffassung, die durchschnittliche Verweildauer in einer Sauna reiche nicht aus, um die den Farben zugesprochenen Eigenschaften auszunutzen.

Fest steht, dass Licht und Musik bei jedem Menschen Reaktionen auslösen, wenn auch unterschiedlicher Art. Sie können Stimmungen und Erinnerungen hervorrufen, aufwühlen, motivieren oder eben auch besänftigen. Dementsprechend können beruhigende Hintergrundmusik und Lichteffekte ein besonderes Wohlgefühl bewirken und zu einem gesteigerten Entspannungszustand beitragen. Viele Menschen genießen es, ihren Gedanken bei entspannenden Klängen freien Lauf zu lassen; und wird die Umgebung dabei in ein als angenehm empfundenes Licht getaucht, fällt das Abschalten – und vielleicht auch das Schwitzen – noch leichter.

So manch einem, der vor allem Ruhe und ungestörte Einkehr sucht, mag diese Art des Saunierens hingegen nicht behagen. Eher konservative Saunabesucher genießen gerade die Stille und Ereignislosigkeit in einem zumeist kleinen holzgetäfelten Raum, in dem gedämpftes Licht und die ätherischen Öle eines Aufgusses eine Atmosphäre schaffen, die den Alltag und die ihn begleitende Geräuschkulisse für die Dauer eines Saunagangs in weite Ferne rücken lassen.

Fazit

Ein Helarium eignet sich daher für Saunagänger, die bei mäßigen Temperaturen und harmonisierenden Lichteffekten Körper und Geist eine wohltuende Auszeit gönnen wollen; oder für diejenigen, die erstmalig eine Sauna aufsuchen. Auch als Einstieg in einen ausgedehnten Saunatag bietet sich die Farblichtsauna an. Eltern mit Kindern dürfte eine Sauna mit derartigem Unterhaltungswert ebenfalls entgegenkommen: Denn selbst wenn ein einzelner Saunagang meist nicht länger als 15-20 Minuten dauert, kann es dem Nachwuchs mitunter schwerfallen, über diesen Zeitraum hinweg ohne jegliche Ablenkung regungslos auf einer Holzbank zu verharren.