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Die finnische Sauna

Die Sauna ist seit vielen Jahrhunderten eine Wohlfühloase für Körper und Geist. Sie dient im wahrsten Sinne des Wortes, um in das Innerste des Menschen vorzudringen.

Zur Geschichte der finnischen Sauna

Die finnische Sauna lässt sich als „Mutter aller Saunen“ bezeichnen. Das Wort Sauna stammt aus dem Finnischen und bedeutet ins Deutsche übersetzt: „Raum aus Holz“. Früher diente die Sauna in Finnland neben der Reinigung und Entspannung als ein Ort der Heilung von kranken und armen Menschen. Die Sauna war weiterhin der wärmste, sauberste, ruhigste und sterilste Platz. Ein Ort, an dem viele Finnen ihre Kinder zur Welt brachten, der ihnen als Waschraum oder Wirtschaftsraum diente. Deswegen galt die Sauna als heiliger Ort.

Was für die Finnen die Sauna bedeutet, belegt Folgendes: In Finnland gibt es seit 1937 eine Saunagesellschaft und einen eigenen Feiertag für die Sauna. Den Feiertag feiern die Finnen jedes Jahr an jedem zweiten Feiertag im Juni. Früher ließ sich der Saunagänger in Finnland von einer Saunawäscherin gründlich reinigen. Saunawäscherinnen sind in Finnland nicht mehr verbreitet. In traditionellen Saunen und vereinzelt in luxuriösen Hotels verrichten Saunawäscherinnen noch heute ihre Arbeit.

Die Finnen und die Sauna

Wer die finnische Lebensweise verstehen will, der macht sich mit der Sauna vertraut, die ein Großteil der finnischen Kultur ist. In Finnland gehört die Sauna zum „Way of Life“. Nahezu jeden Finnen begleitet sie ein Leben lang. Babys sind bei der Saunapremiere erste wenige Tage alt. Dass der Saunabesuch in Finnland zum Alltag gehört, belegt die hohe Anzahl von Saunen im Land. Zusammengenommen bieten diese den Raum für alle Finnen gleichzeitig. Und das sind mehr als fünf Millionen Menschen. Ohne regelmäßige Saunabesuche würden die Finnen sich unvollkommen fühlen. Mehr noch: Eine Einladung zum Saunabesuch ist eine Auszeichnung und ein Vertrauensbeweis und sowohl im Privatleben als im Geschäftsleben üblich. Eine Einladung zu einem Saunagang in Finnland auszuschlagen, ist nicht sinnvoll. Denn das bedeutet, auf den Genuss einer echten finnischen Sauna zu verzichten. Denn die hiesige Sauna hat mit der finnischen Sauna wenig gemeinsam.

Mehrfamilienhäuser in Finnland sind in der Regel mit einer Gemeinschaftssauna ausgestattet, die sich die Mieter teilen. In anderen Häusern ist eine Sauna im Keller untergebracht, in älteren Wohnhäusern in einem gesonderten Gebäude. Wer sich in Finnland ein Ferienhaus baut, fängt in der Regel mit der Sauna an. Frühere Generationen in Finnland brachten in den Saunaräumen ihre Kinder zur Welt, was daran lag, dass es die einzigen Räumlichkeiten mit heißem Wasser waren.

Die ursprünglichste Form der Sauna – die Erdsauna

Die ursprünglichste Form der Sauna stammt aus Finnland, wo die Temperaturen meist unter null Grad liegen. Die Rede ist von der Erdsauna, für die die Finnen ein großes Loch in die Erde gruben. Auf den Boden legten sie flache Steine, die Wände der Erdsauna stützten sie mit Kieferstämmen. Das Dach bestand aus Holz, Moos und Flechten. Für die nötige Wärme sorgte ein Ofen im Inneren der Erdsauna, in dem dicke Holzscheite für die Befeuerung sorgten. Die Erdsauna hatte keinen Abzug, weswegen die Temperaturen in vielen Fällen über 100 Grad Celsius stiegen. Heute benutzen wenige Finnen die Erdsauna.

Die finnische Sauna

Die finnische Sauna ©iStockphoto/AhuSavanAn

Die traditionelle finnische Sauna – Rauchsauna (Savusauna)

Dabei handelt es sich um ein kleines Holzhaus, abgetrennt vom Wohngebäude, im Idealfall dicht an einem See oder Fluss liegend. Die Lage ist absichtlich gewählt und ermöglicht, dass Eintauchen ins kalte Wasser direkt nach dem Saunabesuch. Im Winter ist das Wälzen im kalten Schnee ein beliebtes Ritual nach dem Saunagang.

Dass die Rauchsauna mit Holz beheizt wird und ohne Schornstein auskommt, bedeutet nicht, dass der Saunagänger im Rauch sitzt. Letzterer dringt durch die Steine des Ofens, zieht an den Innenseiten der Sauna entlang und entweicht durch extra angebrachte Wand- und Dachlöcher nach außen. Allerdings hinterlässt der Rauch jede Menge Ruß, sodass Saunagänger schwarz gefärbt die Sauna verlassen. Der Ruß lässt sich leicht abwaschen und niemand muss befürchten, in der Rauchsauna gefährliches Kohlenmonoxid einzuatmen.

Das Beheizen der traditionellen Sauna dauert mehrere Stunden. Durch die Wasseraufgüsse auf die beheizten Steine entstehen in dem mit holzverkleideten Inneren der Sauna Temperaturen zwischen 80 und 90 Grad Celsius. Die Luftfeuchtigkeit ist mit zehn bis dreißig Prozent eher gering. Beim Beheizen steht die Tür offen, da es nötig ist, mehrmals Holz nachzulegen. Ist das Feuer erloschen und der Rauch abgezogen, kann das Saunavergnügen beginnen.

Heute erlebt die Rauchsauna in Finnland eine Wiederauferstehung. Viele Finnen bauen sich an Ufern und Seen Rauchsaunen als Zweitsauna, sodass deren Anzahl ständig wächst. In Deutschland ist die finnische Sauna ebenfalls beliebt und die am weitesten verbreitete Saunaart. Hierzulande sitzen die Saunagänger in der Regel auf Holzbänken.

Die finnische Sauna heute

Je nach Bauart beheizt sich die finnische Sauna heute über einen Elektro- oder Holzofen. Die Temperaturen erreichen im Inneren der Sauna zwischen 80 Grad Celsius und 100 Grad Celsius. Die Luft ist extrem trocken. Finnische Saunen, die ein Elektroofen aufheizt, benötigen einen Starkstromanschluss von 400 Volt. Die Installation ist von einem Elektrofachmann vorzunehmen.

Der Ablauf des Saunaganges in Finnland

Der Aufguss und der Löyly gehören zum Saunabad in Finnland. Löyly, ein finnisches Wort, beschreibt den Wasserdampf, der durch den Aufguss in der Sauna entsteht. Den Aufguss macht der neben dem Aufgusseimer sitzende Saunagänger, der das richtige Maß des Aufgusses festlegt. Er sitzt in der Regel auf der obersten Bank, wo er die Temperatur am besten einschätzen kann. Weiterhin ist es in vielen Regionen in Finnland üblich, zum Aufguss Duftöle hinzuzugeben oder Birkenzweige in die Sauna mitzunehmen. Das leichte Peitschen der Haut mit Birkenbüscheln wirkt anregend wie eine Massage. Außerdem geben die Birkenblätter beim Peitschen eine leicht seifenartige Substanz ab. Die freigesetzten ätherischen Öle verbreiten einen angenehmen Duft in der Sauna. Ein weiterer beliebter Duft ist der von Teer.

Feste Zeiten für die Länge eines Saunaganges oder die Pausen gibt es in Finnland nicht. Jeder Finne richtet die Länge des Saunabades nach seinem Wohlbefinden aus. Der Saunagang reicht vom fünfminütigen Saunabad für zwischendurch bis zum Saunamarathon. Die Pausen sind abhängig von der Temperatur in und außerhalb der Sauna sowie vom gesellschaftlichen Treiben um die Sauna herum. Einen Bademeister benötigen finnische Saunen allenfalls zum Nachlegen von Holz.

Ärzte empfehlen für die finnische Sauna drei Saunagänge und genug Muße für jede Anwendung. Der erste Saunagang erfolgt nach der Dusche. Nach dem Saunieren folgt die Abkühlung in einem kalten Bad oder draußen im kalten See oder Fluss. Nach einer Ruhepause von fünfzehn bis dreißig Minuten folgt der nächste Saunagang.

Wirkung – Vor- und Nachteile der finnischen Sauna

Die physische Wirkung der finnischen Sauna ist ähnlich wie die der Infrarot-Sauna. Die extrem trockene Luft in der finnischen Sauna beansprucht die Lungen und die Bronchien stärker. Der Vorteil dieser Sauna ist, dass sich die Haut regeneriert und erfrischt, was helfen kann, Faltenbildung und Alterserscheinungen aufzuhalten. Der Nachteil ist, dass die trockene und heiße Luft in der finnischen Sauna nicht jeder Mensch verträgt. Gerade für Menschen mit Kreislauf- und Herzproblemen ist es ratsam, vor dem ersten Saunagang einen Arzt zu konsultieren. Dieser kann die Unbedenklichkeit des Saunierens in der finnischen Sauna abchecken.

Besonderes beim Saunagang in Finnland

Traditionell gilt es als höflich, wenn ein frisch eintretender Saunagänger eine Kelle Wasser über die Steine wirft. Auf diese Weise gleicht er den durch das Öffnen der Tür entstandenen Wärmeverlust aus. In öffentlichen Saunen praktizieren die Finnen in der Regel Geschlechtertrennung. Das gemeinsame Saunieren ist nicht üblich, im engen Familienkreis gilt dies nicht. Traditionell ist in Finnland der Saunagang am Heiligen Abend, der den Saunagänger für die folgenden Feierlichkeiten reinigen soll.