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Die Rauchsauna

Die Rauchsauna ist eine uralte Form der Reinigung von Körper und Geist. Es ist mehr als 2000 Jahre her, dass in Finnland die ersten „savusaunas“ gebaut wurden. Die ältesten Rauchsaunas waren grob zusammengezimmerte Holzhütten. Darin brannte in einer Feuerstelle mit Holzscheiten und glühend erhitzten Steinen ein offenes Feuer. Durch ein offenes Loch in der Decke der Hütte konnte der Rauch in den Himmel entweichen – ein Schornstein war also nicht nötig. Auch heute noch gibt es viele Rauchsaunen in Finnland, die noch aktiv in Betrieb sind. Es handelt sich bei der Rauchsauna nicht um Nostalgie, sondern es ist eine tief verwurzelte, lebendige kulturelle Tradition. Begeisterte Saunagänger genießen die authentische Erfahrung der Rauchsauna heute genau so wie ihre Vorfahren vor Jahrhunderten.

Bauliche Konstruktion der Rauchsauna

Der Standardtyp einer Sauna ist durch die Jahrhunderte hindurch unverändert geblieben: eine Holzhütte, die lediglich aus einem einzigen rechteckigen Raum besteht. In ihrem Zentrum befindet sich eine offene Feuerstelle sowie eine etwas erhöhte Plattform zum Sitzen. So sieht die originale, einfache Rauchsauna aus, deren Funktionalität und wohltuende Effekte vielen Finnen heute noch für unübertroffen halten – obwohl es heute komplizierte Bauten und Technologien des Saunens gibt.

Wie funktioniert die Rauchsauna?

Wenn die Steine in der offenen Feuerstelle sich mithilfe des offenen Feuers darunter erhitzen, verteilt sich der Rauch der brennenden Holzscheite zunächst in der Hütte, bevor er durch das Loch in der Decke nach oben – oder auch seitlich durch die offenstehende Tür – nach draußen entweicht. Dadurch erhitzt sich die Raumtemperatur. Der Rauch schwärzt den ganzen Raum durch Ruß und verteilt ein angenehm duftendes Raucharoma in der Hütte. Zwei Dinge sind wichtig zu wissen: 1) Der Ruß ist kein Schmutz – wie jemand denken könnte, der mit dem Prinzip der Rauchsauna nicht vertraut ist. Ganz im Gegenteil handelt es sich um eine Art von Kohle, die reinigende, antibakterielle Eigenschaften besitzt. 2) Nur beste und unbehandelte Hölzer kommen in der Rauchsauna zum Einsatz. Vor einem Saunagang in der Rauchsauna wird die Hütte natürlich vom Ruß der letzten Nutzung gereinigt, indem die Sitzplattformen und der Boden gründlich abgespült werden.

Die Rauchsauna

Die Rauchsauna ©iStockphoto/mjp

Warum sollte man in die Rauchsauna gehen?

Die Rachsauna ist für viele Menschen in Finnland auch heute noch Teil ihres täglichen Lebens und ein Ort nicht nur körperlicher, sondern auch geistig-spiritueller Reinigung. Neben der Körperhygiene hilft die Sauna, die Immunabwehr zu stärken und die Gesundheit aufrecht zu erhalten. Auch die geistige und emotionale Lebenskraft und Balance werden positiv von regelmäßigen Saunagängen beeinflusst. Viele Finnen schwören darauf, dass dies für die Rauchsauna npch mehr zutrifft als für andere Saunatypen.

Wie unterscheidet sich die Rauchsauna von anderen Saunatypen?

Die Rauchsauna unterscheidet sich in vielerlei Aspekten von anderen Typen der Sauna. Der am stärksten auffallende Unterschied ist die Art der Beheizung: Die Steine im Saunaofen werden durch naturbelassene Holzscheite geheizt. Die Sauna hat zudem keinen Schornstein, sondern der sich entwickelnde Rauch entweicht durch ein einfaches Loch in der Decke oder einfach durch die offenstehende Tür der Hütte. Dadurch verweilt der Rauch wesentlich länger im Raum als in Saunen, in denen der Rauch durch Schornsteine abgeleitet wird.
(Nach der Benutzung wird die Rauchsauna natürlich gut gelüftet, bis aller Rauch entwichen ist, und der Ruß, der sich abgesetzt hat, gründlich abgespült. So ist die Sauna für die erneute Benutzung wieder frisch hergerichtet.)

Wie benutzt man die Rauchsauna?

Wie in anderen Typen der Sauna auch, benutzen meist mehrere Menschen gemeinsam die Rauchsauna. Man zieht sich draußen vor der Sauna aus. Eine Rauchsauna hat meistens keinen separaten Vorraum zum An- und Ausziehen, sondern besteht lediglich aus einer freistehenden Hütte mit einem einzigen Raum. Man sitzt oder liegt auf den erhöhten Plattformen. Meistens ist die Plattform in halber Raunhöhe angebracht – dies ist die beliebteste Höhe. Man bleibt in der Sauna, bis der ganze Körper zu schwitzen beginnt. Häufig wird das Schwitzen noch befördert, indem Wasser auf die erhitzten Steine gegossen wird und damit durch die Verdunstung die Luftfeuchigkeit im Raum erhöht wird.

Nach dem Saunagang kühlt man sich draußen ab – entweder an der frischen Luft oder in kaltem Wasser, das entweder ein natürliches Gewässer oder ein aufgestelltes Wasserbecken sein kann. Im Winter ist es ein tolles Erlebnis, sich nach dem Saunagang kurz in den Schnee zu legen. Der Saunagang kann mehrmals wiederholt werden. Häufig wird ein Saunabesuch auch durch Meditation oder andere, Körper und Geist wohltuende Anwendungen unterstützt. Zum Abschluss des Saunabesuchs wird der Körper gewaschen. Nach einem Besuch der Rauchsauna fühlen sich Körper und Geist entspannt und leicht an.

Wie oft sollte man in die Rauchsauna gehen?

Man geht normalerweise einmal pro Woche in die Sauna – oft am Samstag, oder vor Feiertagen und Festen. Das Ritual der Rauchsauna ist recht lang, geruhsam und friedlich. Es erfordert zudem einige Kenntnisse und Fähigkeiten, sodass mindestens eine in der Rauchsauna erfahrende Person anwesend sein sollte. Das Aufheizen und Vorbereiten des Raumes und das Saunieren kann leicht 4 bis 5 Stunden dauern. Häufig bleiben die Besucher der Rauchsauna auch noch länger – es gibt keinen Grund zur Eile. Für einen Besuch der Rauchsauna darf und soll man sich ruhig Zeit nehmen.
In finnischen Dörfern ist die Rauchsauna häufig ein Familienritual und jedes Anwesen verfügt über seine eigene Rauchsauna. Häufig wird die Rauchsauna aber auch für mehrere Familien aufgeheizt, die sich treffen und gesellig und in Ruhe generationenübergreifend die Tradition der Rauchsauna pflegen.
Ein Saunabesuch wird im Voraus geplant, andere Aktivitäten und Arbeiten werden so verlegt, dass wirklich ausreichend Zeit für die Rauchsauna vorhanden ist. Meistens wird jemand, der über viel Erfahrung in der Bedienung und Benutzung der Rauchsauna verfügt, mit der Aufgabe betraut, die Rauchsauna vorzubereiten: Vom Ruß des letzten Saunagangs zu reinigen, Wasser herbeibzuringen und alle benötigten Utensilien bereitzulegen. Dabei helfen oft die Kinder. Wenn alles vorbereitet ist, kommen meist die Männer zuerst in die Sauna. Frauen mit kleineren Kindern kommen erst später dazu, weil ein kürzerer Saunagang den Kreislauf weniger stark fordert. Jede und jeder wählt sein eigenes Tempo und seinen eigenen Rhythmus beim Saunagang. Nur kleine Kinder werden recht schnell gewaschen und wieder zurück ins Haus gebracht. Ein ausgedehnter Saunagang würde sie noch überfordern.

Den Saunagang begleitende Anwendungen

Heilende und wohltuende Anwendungen, um körperliche Beschwerden zu lindern, werden normalerweise nicht in Anwesenheit anderer Saunagänger durchgeführt. Entweder zieht man sich zurück – teilweise werden diese aber auch schon am Tag vor oder nach dem Saunagang angewendet. Solche Anwendungen können bei Erkältungen und Infektionen und Schmerzen in Muskeln und Skelett in Kombination mit einem Saunagang sehr gut Linderung verschaffen.

Die Rauchsauna heute

Rauchsaunes waren früher multifunktionale Gebäude, die zum Hof einer ländlichen Familie gehörten. Beispielsweise wurde die Sauna auch genutzt, um Fleisch zu räuchern und so haltbar zu machen. Heute ist diese Nutzung zurückgegangen, da nicht mehr jeder den Aufwand auf sich nimmt, selbst zu räuchern. Auch hat heute nicht mehr jede Familie das Wissen, wie man Fleisch selber räuchern kann.

Mit der Veränderung der Bevölkerungsstruktur in Finnland hat auch nicht mehr jede Familie ihre eigene private Rauchsauna. Vielmehr sind Rauchsaunen heute zunehmend öffentliche Gebäude, die man sich für den Saunabesuch mietet. Der Bau und die Betreuung einer Rauchsauna erfordert schließlich ebenfalls Expertenwissen, das mit der Differenzierung und Spezialisierung der Berufswelt heute nur noch Spezialisten mitbringen.

Dennoch bleibt die Rauchsauna für viele Finnen auch heute ein traditioneller und natürlicher Bestandteil ihrer Kultur – ein Ritual, das Freunde und Familien über die Generationen hinweg miteinander verbindet. Dass das Ritual der Rauchsauna sich über mehrere Stunden hinweg erstreckt, ermöglicht es, sich Zeit für sich selbst, seine Freunde und Familie zu nehmen. Gerade im heutigen hektischen Alltag hilft die Rauchsauna, den friedvollen Rhythmus der Natur (wieder) zu fühlen und zu genießen. Das Schwitzen und Waschen des Körpers in der Sauna reinigt Körper und Seele, hinterlässt ein spirituell und emotional gereinigtes Gefühl, verbessert die Gesundheit und fördert die mentale Ausgeglichenheit. Es ist auch heute ein verbreiteter Volksglaube, dass es Glück bringt und Missgeschicke abwenden kann, dem „Geist der Rauchsauna“ gebührende Ehre zu erweisen.

Wie jede lebendige Tradition, so hat sich auch das Brauchtum rund um die Rauchsauna durch die Zeiten hindurch verändert. Heute dient die Rauchsauna nicht mehr als Hütte für Familienmitglieder in Schwellensituation des Lebens – zum Gebären, Sterben oder bei Krankheit. Diese Lebensereignisse finden im Krankenhaus oder zu Hause statt. Auch zur Behandlung von Wolle hat die Rauchsauna heute keine weit verbreitete Bedeutung mehr – kaum jemand spinnt noch sein eigenes Garn. Lediglich der Brauch, Fleisch zu räuchern, ist noch einigermaßen weit verbreitet – jedoch wegen des Arbeitsaufwands nur zu besonderen Gelegenheiten.

Dennoch bleibt die Rauchsauna für viele Finnen ein Bestandteil ihrer kulturellen Identität, der sie mit den Traditionen ihrer Vorfahren verbindet.